Dienstag, 4. Juli 2017

Gelesen: Libreville


Hallo ihr Lieben,

lang, lang ists her. Es hat sich auch so einiges getan. Ende März bin ich aus dem wunderschönen Mittelfranken nach Schwaben gezogen. Auch wenn mich immer mal wieder das Heimweh packt, gefällt es mir hier inzwischen doch auch recht gut.
Obwohl das Leben 1.0 also mal wieder volle Breitseite zugeschlagen hatte, habe ich weiter fleißig andere Blogs verfolgt und die Sehnsucht selbst wieder aktiv zu werden, ist immer größer geworden.
Heute ist es nun auch wieder so weit und ich möchte mit einer kleinen Buchrezension starten!
Das Buch wurde mir von  zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür!

"Libreville" von Janis Otsiemi


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Autor:

Janis Otsiemi wurde 1976 in France-ville, Gabun, geboren. Dichter; Essayist und Autor von Kriminalromanen. Er erhielt 2010 den Le Prix du Roman Gabonais für sein Buch La vie est un sale boulot. Bei Editions Jigal erschienen außerdem La Bouche qui mange ne parle pas (2010) und Le chasseur de lucioles (2013) sowie sein Roman Les voleurs de sexe (2015). Er ist Secrétaire Général adjoint de l´Union des Écrivains Gabonais. Seine Romane verfasst er in Französisch. (Klappentext)


Inhalt:

Ein Jahr vor den Wahlen wird Roger Missang, Journalist der Echos du Sud, am Strand von Libreville nahe dem Palast des Präsidenten der Republik mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden. Mit den Ermittlungen im Mordfall werden Pierre Koumba Owoula und Hervé Louis Boukinda Envame beauftragt, zwei Polizisten, die ohne die DNA-Analyse und Forensik auskommen müssen. (Buchrückseite)


Eigene Meinung:

In "Libreville" geht es um die Aufdeckung des Mordes an Roger Missang. Dazu wird zunächst einmal geschildert, wie sich das afrikanische Land Gabun und seine Hauptstadt Libreville in den letzten Jahrzehnten zu dem entwickelt hat, was sie heute sind. Einem an Rohstoffen zwar reichen Land, in dem aber Misswirtschaft und Korruption weiterhin ein Prosperieren verhindern. Moderne Technik hält erst nach und nach, ganz langsam Einzug. Ins Internet gestellte Videos von zwei jungen Mädchen führen zu deren gesellschaftlicher Missachtung und in letzter Konsequenz wählen die beiden Mädchen den Freitod. Den Verantwortlichen suchen unsere beiden Polizisten und bringen ihn zur Strecke. Derweil wird am Strand von Libreville ein toter Journalist gefunden, die Ermittler versuchen sowohl Motiv als auch Täter zu finden. Unerwartet kommt ihnen dabei ein neuerliches Verbrechen zu Hilfe. Ein Mann, der einen Autounfall mit Todesursache verursacht hat, scheint mehr Informationen zu haben und versucht sich mit seinem Wissen freizukaufen. Führt diese Spur tatsächlich zum Täter?
Optisch ist das Buch recht dezent gehalten. Das Cover zeigt eine schemenhafte Darstellung von rennenden Personen und ist in den Farben rot, weiß und schwarz gehalten. Auffällig ist der Aufbau des Romans. Unterteilt wird zunächst in Tage, diese beginnen jeweils mit einer Art Deckblatt, das jeweils die Zeitungs-Schlagzeilen für den jeweiligen Tag zeigt. Die Tage sind wiederum in recht kurze und überschaubare Kapitel unterteilt. Das Buch erhält dadurch eine gute Struktur und lässt sich recht zügig lesen.
Der Autor hat einen sehr eigenen, meiner Meinung nach etwas derben, Schreibstil. Die einzelnen Worte sind sehr bewusst gewählt, manchmal recht derbe, manchmal fast beschönigend. Besonders auffällig sind die Redewendungen und Sprichwörter, die der Autor immer wieder einfließen lässt: "Ein Kerl so lang wie ein Tag ohne Brot stieg aus." (S. 11) oder "den Mund nicht teilen" (S. 24) für nicht einer Meinung sein.
Was mir inhaltlich etwas gefehlt hat und mich dann tatsächlich eine Zeit lang eher verwirrt hat, ist der offensichtliche Kleinkrieg zwischen Polizei und Gendarmerie. Wobei mir rein aus dem Buch heraus schon gar nicht der Unterschied zwischen beiden klar wurde, geschweige denn welcher Ermittler nun wohin gehörte. Das ist für mich leider ein klares Manko des Buches gewesen.
Abgesehen davon fand ich es sehr interessant dieses etwas andere Buch zu lesen. In Gabun gibt es wohl auch kaum Schriftsteller, denn allein vom Schreiben kann man dort nicht leben.

"Wenn sich Bullen und Gendarmen schon wegen Lappalien prügelten, statt hinter ihnen her zu sein, war das eigentlich nur gut für sie. Ganz nach dem Sprichwort: Wenn der Regen dich nass macht, lachen dich die Kröten aus!" (S. 192f.)


 (erschienen bei polar Verlag, 220 Seiten, 14,00 €, bestellbar z.B. hier)



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